DAS VERWUNSCHENE SCHLOSS

 

Es war einmal ein verwunschenes Schloss, mitten in der Stadt. Umgeben mit viel Schnee und Eis. Schwere Eiszapfen hingen von den Fenstern und Türen herunter. Behutsam musste die Eingangstür geöffnet werden, damit das Wunderwerk der Eiszapfen nicht zerstört wurde. Vorsichtig der Treppe nach oben folgen, die zu den wunderschönen Räumen hinführte.

Feen trafen sich dort an einem Nachmittag am Ende des Jahres.

Es waren besondere Feen. Da gab es die Hausfee, sie sorgte dafür, dass das Netz zwischen den Feen zusammen hielt.

Es wurde ein Zaubertrank gebraut. 

In der Mitte des Raumes stand ein riesengroßer Topf. Er dampfte und brodelte. Er zischte und qualmte. Er erzählte seine eigene Geschichte.

Er konnte nicht genug von den Köstlichkeiten bekommen, die jede Fee hinein tat. Eine Fee brachte Knöterich mit: verschroben, grau und lieblich duftend.

Die Andere tat Mäuseködel rein: klein hart, wie kleine Kieselsteinchen.

Die Nächste brachte von einem verwunschenen Baum die Blütenblätter mit: feurigrot, scharf, prickelnd.

Löwenzahn und Bärenknochen, Regentau und Zwergeshaar, Gnomenfingernägel und Warzen vom Schwein, Tigeraugen und Milbendreck; alle Köstlichkeiten dieser Welt.

Ihr glaubt mir nicht? Doch! Sicher! Riecht doch mal! Wie lecker! Wie köstlich! Wie wohlschmeckend das Mahl geworden ist!!

Jede Fee nahm ihren Teller, schöpfte sich immer und immer wieder aus dem riesengroßen Topf, der nicht leer werden wollte, die gut schmeckende Suppe auf ihm.

Als sie nichts mehr essen konnten, merkten sie, dass sie trotz alledem leichtfüßig durch das Schloss schweben konnten. Voller Elan, voller Freude und die kindliche Spiellust überkam sie.

Sie fanden kleine Geschenke. Komisch, genauso viele, wie Feen da waren!

Große und kleine, dicke und dünne, witzig eingepackte, nicht zu erkennen, was in ihnen ist.

„Welches möchtest du haben“ fragte die eine Fee die Andere. „Komm, nimm du das erste...“ „Ich weiß nicht...“ „ Sind die wirklich für uns?“ So schnatterten sie alle durcheinander. Keine blieb auf ihren Platz, nicht eine Sekunde! Sie wirbelten durch das ganz Schloss und kamen immer wieder zu den kleinen Päckchen hin.

„Ich hab` eine Idee“ meinte plötzlich eine der Feen. „Setzt euch doch mal alle in einen Kreis!“ huuh, war das schwierig, denn sie waren lange noch nicht so erschöpft und ein Schnattern und Surren und Plappern lag noch lange in der Luft.

Doch irgendwann trieb die Neugierde sie wieder alle zusammen. Sie setzten sich tatsächlich alle in einen Kreis.

In der Mitte die kleinen und großen, kunterbunten Geschenke.

„Nun sag schon, welche Idee du hast!“ „Komm sag schon“

„Dreht euch alle mit dem Rücken zu den Geschenken hin! Rutscht langsam zur Mitte! Laangsam! - Ihr dürft euch nicht berühren und nicht nach hinten schauen! Nun eure Hände zur Mitte strecken!“

Die Feen waren wie verzaubert. Langsam bewegten sie sich zur Mitte... Ganz langsam... je dichter sie zur Mitte kamen, je wärmer wurde ihnen, je gelöster wurden sie, je aufgeregter!

Die Geschenke fingen an zu tanzen und kreisten... und kreisten... und kreisten... berührten sanft die Finger; huschten schnell wieder zu einer anderen Hand...bis jedes Geschenk ihre Hand gefunden hatte.

Und die Feen warteten geduldig. Sie wussten, dass irgendwann in ihrer Hand ein Geschenk sein würde. Tief versunken und sehr behutsam wurden nun die Geschenke betrachtet, betastet und gewürdigt. - Freude und Glück war in ihren Gesichtern zu sehen.

Lange dauerte es bis der Zauber die Feen wieder sprechen ließ. Und beim Abschied meinten alle: „Im nächsten Jahr, ja, da treffen wir uns wieder!!“